DIE TERRASSEN DES PHILOSOPHISCHEN GARTENS
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Aktuelle Veranstaltungen


Stuttgart, Donnerstag, 20. Februar 2020

Manfred Osten

GOETHES ENTDECKUNG DER ACHTSAMKEIT

Zur Aktualität eines Klassikers im Zeitalter des rasenden Stillstands

Einführung: Matthias C. Müller

Was Goethe im „West-östlichen Divan“ fordert, kann verstanden werden als die Präambel für eine neue Humanität der Achtsamkeit gegenüber dem Menschen und der Natur: „Schwerer Dienste tägliche Bewahrung, sonst bedarf es keiner Offenbarung.“

Gemeint ist das von Goethe selber exemplarisch praktizierte Leben als Trainings-Lager täglichen Übens gesteigerter Aufmerksamkeit auf die Phänomene im weitesten Sinne. So steht denn in diesem Betracht Goethes stupender Corpus seiner Zeichnungen als ein Beispiel der Nachwelt vor Augen, was er meinte, wenn er die Achtsamkeit subsumierte unter das Betriebsgeheimnis seiner Biographie mit dem Verdikt: „Achtsamkeit ist das Leben.“

Auf die zahlreichen Aspekte dieses Betriebsgeheimnisses im Leben und im Werk Goethes soll im Vortrag von Dr. Manfred Osten („Gedenke zu leben! Wage es, glücklich zu sein!“ oder Goethe und das Glück, Wallstein Verlag) eingegangen werden.

Daten: Der Vortrag findet am Donnerstag, 20.02.2020, um 19.30 Uhr im Max-Bense-Forum der Stadtbibliothek Stuttgart statt. (Karten: 5,- bzw. 3,- Euro. Anmeldung: Tel. 0711-216-91100 oder 0711-216-96527. E-Mail: karten.stadtbibliothek@stuttgart.de).

Eine Kooperationsveranstaltung von Stadtbibliothek Stuttgart und Philosophischer Garten, Matthias C. Müller, E-Mail: kurs@philosophischergarten.de, Tel. 0179 - 96 87 327.



Siegen, Donnerstag 6. Juni 2019

Matthias C. Müller:

Die Totalitäre Mobilmachung

Anmerkungen zum drohenden Verlust des Zufälligen, Willkürlichen und Spielerischen im Leben als Ganzes und im Detail. Oder: dringende Warnung vor dem algorithmisierten Absolutismus, der alle Lebensbereiche zu bestimmen droht.

(Vortrag gehalten im Rahmen des universitären Workshops „Von Himmelsmaschinen zur Idee des Mobiles“ - Kosmologische Modelle in Kunst und Wissenschaft und ihre Auswirkungen auf kooperative Ideen und Praktiken. Ein Versuch am Beispiel des Mobiles von Alexander Calder.)

Abstract: Der Begriff „algorithmisierter Absolutismus“ zielt auf Basis eines historisch-politologischen Verständnisses auf einen Absolutismus, bei dem verschwindend wenige global operierende Firmen unkontrolliert und intransparent unter Einsatz von Algorithmen immensen Einfluß auf und zum Teil Kontrolle über weite Teile der gesellschaftlichen Prozesse im weiteren und konkreteren Sinne ausüben. Sie beeinflussen auf noch nie dagewesene Weise die Bedürfnisse, das Begehren und das Wollen von Milliarden Menschen; darüberhinaus speichern und verarbeiten diese Firmen nicht allein persönliche, sensible Datensätze, potentiell die der gesamten Menschheit, sondern beeinflussen in der Folge auch soziale und individuelle Prozesse auf rechtlich weitgehend ungeklärte und ethisch letztlich unlegitimierte Weise. Damit untergraben sie die Autonomie des Menschen wie auch die der republikanischen Staatsform selbst.

Was dabei entsteht, ist ein globales Mobile. Das ist eine digital strukturierte Sphäre algorithmisierter Programme, in der virtuelle und materielle Welt sich vereinen, ein Mobile, dessen Bewegungen aus den Bewegungen der Menschen bestehen, Nutzer, die sich immer weniger autonom, das heißt: immer weniger selbstreflektiert, im Raum bewegen, sich vielmehr mehr und mehr in gleichgerichteter Reaktion auf die oder gemäß den Bestimmungen der Algorithmen in Bewegung setzen und entsprechend handeln. Verlieren die Menschen ihre Autonomie, dann verlieren sie ihre bürgerliche Würde. Sie werden zu einer bloßen Funktion einer den politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und persönlichen Lebensbereich unterwerfenden und reglementierenden totalitären Mobilmachung. Dieses globale Mobile ist eine geschichtlich neuartige Form des Absolutismus.



Neversdorf, Montag 10. bis Mittwoch 12. September 2018

Philosophischer Workshop von Matthias C. Müller (Gast: Jürgen Hasse)

Übersehene Räume, übersehenes Selbst?

Hintergrund des Workshops:

Die intensivierte Hinwendung zum Thema Raum nicht nur in den Kulturwissenschaften hat auch zu einer intensivierten Hinwendung zu der anthropologisch grundierten Frage geführt, inwiefern der Mensch vom Raum her zu verstehen sein könnte.

Man kann daher feststellen, daß in bestimmten Forschungsbereichen es zu einer Verschränkung von Subjekt- und Raumtheorie gekommen ist.

Vor diesem Hintergrund und in diesem Sinn möchte der philosophische Neversdorfer Nachsommerworkshop 2018 die in den Jahren zuvor unternommenen Recherchen auf den Gebieten der Subjekt- und der Raumtheorie wiederaufnehmen und fortsetzen.

Inhalt des Workshops:

Das diesjährige Leitthema sind die „übersehenen Räume“ des Alltags und die Frage, wie sie bewußt und unbewußt die Subjektivität und das subjektive Erleben bzw. das Selbst durchdringen und beeinflussen.

Am Ausgangspunkt und im Zentrum des Workshops steht das neue Hauptwerk von Prof. Dr. Jürgen Hasse: „Die Aura des Einfachen. Mikrologien räumlichen Erlebens, Band 1, Freiburg 2017“. In ihm untersucht Hasse exzessiv vier alltägliche, meist nichtreflektierte Situationen: ein angreifender aversiver Geruch, das Warten in Airport-Lounges, die unterschiedlichen Stärkegrade wehenden Windes sowie das Gebanntwerden von Atmosphären der Stille. Diese Untersuchungen sollen jedoch nicht nur das Übersehene sehen lehren, sondern vor allem den Blick auf die alltägliche Beziehung zum Selbst schärfen und diesen Blick einer methodisch abgesicherten phänomenologischen Reflexion zugänglich machen. Es geht um das paradoxe Erleben der „prädimensionalen Ausgedehntheit des Raums“ und inwiefern man sich dabei selbst leiblich wahrnehmen kann.

Gastvortrag:

Prof. Dr. Jürgen Hasse wird am zweiten und dritten Tag des Workshops je einen Vortrag halten und an den Diskussionen teilnehmen. Er wird auch seinen im Frühjahr 2018 erschienenen Band 2 des Mikrologienprojekts vorstellen: „Märkte und ihre Atmosphären“ (also Lebensmittelmärkte, Blumenmärkte etc.).

Arbeitsweise des Workshops:

Jeder Teilnehmer sollte das Buch von Herrn Hasse gelesen haben. Pro Sitzung wird ein Teilnehmer in einem prägnanten Impulsreferat ein bestimmtes Thema zur Raumphänomenologie bzw. einen bestimmten Aspekt von Hasses Buch vorstellen.

Zielgruppe des Workshops:

Der Workshop ist ein Angebot für Studenten, Doktoranden und Postdoktoranden, die sich für die Frage nach der existentiellen Dimension räumlichen Erlebens interessieren bzw. darüber gearbeitet haben.

Eine Kooperationsveranstaltung mit freundlicher Unterstützung der Udo Keller-Stiftung Forum Humanum, Hamburg und Neversdorf.



Am Horizont:

GALERIE DES PHILOSOPHISCHEN GARTENS

Eröffnung einer Kunstgalerie des Philosophischen Gartens mit Vorträgen über aktuelle und nicht-aktuelle Kunstwerke.



Weitere perspektivische Veranstaltungen:

- Vortrag: Der philosophische Eros oder Was heißt gutes Leben?
Der Vortrag über den philosophischen Eros stellt die Frage: Wie läßt sich ein gutes Leben führen? Der Vortrag zeigt unter anderem, daß der philosophische Eros dem Menschen seine Fähigkeit offenbaren kann, sich von der Möglichkeit des guten Lebens begeistern zu lassen. Erotische Erziehung sollte daher weniger auf die Vermittlung von Inhalten aus sein als vielmehr darauf, dem Menschen seine Lebensmöglichkeiten vor Augen zu bringen. Nur wer sich von seinen eigenen Möglichkeiten erotisieren lassen kann, wird den Blick für die sinnstiftenden Ziele seines Lebens freibekommen. Anmeldung Tel. 0179 / 96 87 327 oder Email an kurs@philosophischergarten.de.

- Philosophischer Garten I: Leseübung zur Ästhetik der Metaphern. 10 Abende.
Zum Inhalt: Metaphern sind die Interpreten im Bereich der menschlichen Erkenntnis und zählen zu den zentralen Protagonisten in der Welt der Kunst. Neben einer historischen Einführung in die Ästhetik der Metaphern lesen wir vor allem die metaphern-basierte Kognitionstheorie von George Lakoff/Mark Johnson: Leben in Metaphern (Metaphors we live by, 1980). Die Autoren zeigen, daß Sprechen und Denken in wichtigen Aspekten metaphorisch organisiert sind und kognitive Metaphern die konkreten menschlichen Erfahrungen weitgehend mitbestimmen. Darüber hinaus stellen wir ausreichend Bezüge her zu Paul Ricoeurs „Die lebendige Metapher“ und Hans Blumenbergs „Paradigmen zu einer Metaphorologie“. Die Teilnehmer werden mit Blumenberg den historischen Wandel von Metaphern und damit den Wandel geschichtlicher Sinnhorizonte verstehen und mit Ricoeur das schöpferische Potential der Metaphern als Grundzug der Kreativität begreifen lernen.

- Philosophischer Garten II: Leseübung zur Amerikanischen Philosophie. 10 Abende.
Zum Inhalt: Die USA sind philosophisch anziehend, weil sie unermüdlich philosophische Strömungen hervorbringen und vor allem selber ein genuin philosophisches Gebilde sind. Dieses Gebilde, das die Politiken des Planeten maßgeblich mitbeeinflußt, besser zu verstehen, wird ein Ziel der Leseübung bilden. Von Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau und Mark Twain als drei vorbildlichen Einzelgängern ausgehend und selbstredend den Demokratie-Sänger Walt Whitman einbeziehend, lesen wir uns zum Dreigestirn der US-Philosophie vor, den Gründervätern des höchst einflußreichen Pragmatismus in Gestalt von Charles Sanders Pierce, William James und John Dewey. Um die Philosophien der Sprache, des Geistes und der Handlung kennenzulernen, werden Ausflüge zu Willard van Orman Quine, Donald Davidson, Hilary Putnam, John L. Austin/John R. Searle unumgänglich sein, Abschlußbesuche gelten den politischen Moralphilosophien von Michael Walzer und Richard Rorty.

- Literarischer Garten: Besprechung von Dramen, Romanen und Gedichten zum Thema Don Juan. 10 Abende.
Zum Inhalt: Was hat es mit diesem Kerl aus Sevillas staubigen Gärten wirklich auf sich? Ist er der größte Verbrecher aller Zeiten (wie Molière meinte)? Wie kann man zu Mozarts schleierhaftem „Don Giovanni“ schwelgen, wenn Don Juan gerade dort wie nirgends sonst ein Mörder und Frauenvergewaltiger ist?
In den Lese-Abenden werden die Teilnehmer möglichst repräsentative, epochentypische und literarisch aussagekräftige Werke lesen, von Tirso de Molina, Molière und Mozart über Kierkegaard, Puschkin, Lord Byron, die Gedichte Rilkes und Gottfried Benns, die Versuche von Ödon von Horvath, Albert Camus und Max Frisch bis hin zu Barbara Honigmanns Don Juan und der Don-Juan-Umschreibung von Peter Handke mit seiner Prosarecherche „Don Juan (von ihm selbst erzählt)“ aus dem Jahr 2004.

 

Wegmarken

[Entscheidend ist, daß der Mensch] auf die hohe See des Schönen sich begebend und dort umschauend viel schöne und herrliche Reden und Gedanken erzeuge in ungemessenem Streben nach Weisheit, bis er, hiedurch gestärkt und vervollkommnet, eine einzige solche Erkenntnis erblicke, welche auf das Schöne selbst geht.

(Platon)

 

 


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